Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

287

und deutete ſtumm auf einen Seſſel neben ſich hin. Bernthal ſchüttelte abwehrend das Haupt.

Nein, ſagte er, ich will Sie nicht beleidigen durch meine ſo unmittelbare Nähe, denn es könnte ſein, daß noch etwas von Leichenduft und Verwe⸗ ſung an mir haftete. Ich komme eben vom Bette einer Todten.

Luiſe fand nicht die Kraft, etwas zu erwidern, Sie blickte nur fragend zu Bernthal empor, der mit verſchränkten Armen, ſie ſtreng beobachtend, vor ihr ſtand.—

Wollen Sie wiſſen, wer dieſe Todte war, Luiſe? Es war vor drei Jahren ein junges, unſchuldiges der Freude und dem Leben entgegenlachendes Mäd⸗ chen, welches von Gott nichts weiter verlangte, als das Glück, ihren Geliebten, einen armen Arbeiter, dereinſt ihren Mann nennen zu können, um mit ihm zu arbeiten, um mit ihm zu darben, und Gott zu danken für jedes Stückchen Brod, das ſie ſich ſelber im Schweiße ihres Angeſichtes verdienen würden! Vicht wahr, das war ein beſcheidenes Gebet an die allmächtige Gottheit, von welcher man ſagt, daß ſie das Füllhorn des Glückes in ihren Händen hält? Und doch war dieſer Wunſch zu groß. Ein neidi⸗ ſcher Dämon hatte ihn gehört, und beſchloß ihn zu