19
Nein, ſie wufte das Alles nicht. Sie ſtand draußen auf der einſamen, dunklen Straße, an das Haus gelehnt, in welchem er wohnte, und blickte empor zu dem ſternenhellen Himmel. In ihrer Seele war keine Klage, kein Vorwurf. Sie würde Karl verachtet haben, wenn er ihr vergeben und ſie freund⸗ lich angeredet hätte, ſie betete ihn an, weil er in
ſeinem Stolz und ſeiner Würde ſie verachtete und
verfluchte.
Sie ſtand und ſtarrte immer noch empor zum Himmel. Einmal flüſterte ſie: Er glaubt, daß ich ſo elend bin, ihm wieder freundlich ſein, ihn lieben zu können. Und indem ſie das ſagte, ſchauderte ſie vor Entſetzen und Qual, und ſtarrte wieder bewe⸗ gungslos empor. Dann, nach einer langen Pauſe, ſagte ſie: Er muß ſterben, ich werde ihn tödten, dann wird Karl wiſſen, ob ich dieſes Ungeheuer geliebt habe, dann wird Karl mir vergeben. Er muß alſo ſterben!
Und wie gekräftigt von dieſem Gedanken ging ſie leichten Schrittes die Straße hinunter, und ſchlug den Weg nach ihrer finſtern Wohnung ein.
2*


