Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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Sie hatte lange ſchon das Zimmer verlaſſen und noch immer ſtand Karl und blickte nach der Thür hin, durch welche ſie verſchwunden war, und ſein Antlitz zuckte und ſeine Geſtalt zitterte. Er ſah ſie noch immer vor ſich mit dieſem bleichen, ſchönen Angeſicht, das nach und nach unter der Fluth ſeiner Verwünſchungen erglüht war. Seine Augen ſtanden noch voll Thränen. Marie hatte gemeint, er weine vor Zorn. Sie ſah nicht, wie er jetzt auf ſeine Knie ſank, auf derſelben Stelle, wo Marie geſtanden, ſie hörte nicht, mit welchem ſchmerzlichen und liebevollen Ausdruck er ihren Namen nannte, ſie ſah nicht, wie er die einzelnen Stücke des zerriſſenen Kranzes von der Erde aufſuchte und ſie küßte, bevor er ſie ſorg⸗ ſam in dem kleinen Käſtchen von gemalter Pappe verbarg, das ſie ihm auch einſt an einem glücklichern Tage geſchenkt.N

Marie ſah das Alles nicht. Sie wußte nicht,

wie dieſes ſtolze und redliche Herz Tag um Tag und Jahr um Jahr mit ſeiner Liebe gerungen und von ſich ſelber verlangt hatte, daß es die Verrätherin

und Verbrecherin vergeſſen ſolle. Sie wußte nicht daß Karl ſie nur um deßwillen ſo glühend paßt weil er ſie vielleicht unbewußt noch immer glühend liebte.