Teil eines Werkes 
2. Band (1850)
Entstehung
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ihm zu beſchäftigen. In ihrer umnachteten und gramvollen Seele war er wie das umhüllte und dem

profanen Auge verborgene Allerheiligſte geweſen, vor

dem ſie mit blutender Bruſt und wunden Knien ge⸗ betet, nach deſſen Anblick ſie ſich ewig geſehnt, das ſie aber niemals zu entſchleiern gewagt hatte.

Und jetzt ſtand ſie ihm gegenüber und konnte ihn anſchauen und konnte auf ſeinem gualvollen Antlitz leſen, wie ſehr er ſie geliebt, wie ſehr er um ſie gelitten hatte. Rein, er hatte ſie nicht vergeſſen, ſie ſah es an dieſem verdorrten Roſenkranz, der über ſeinem Bette hing. Einſt hatte ſie dieſen Kranz in ihrem Haar getragen, und das war an jenem Tage geweſen, an welchem Karl aufgehört hatte, ein Ge⸗ ſelle zu ſein und ein Tiſchlermeiſter geworden war. An jenem Tage hatten ſeine Freunde und Kamera⸗ den ihm ein Feſt gegeben, und Marie war die Kö⸗ nigin dieſes Feſtes geweſen, und Karl hatte ihr an dieſem Abend geſagt, daß er ſie liebe und zu ſeinem Weibe begehre. Sie hatte ihm nichts erwidern können vor Glück und Scham, aber als das Feſt beendet war und Karl ſie bis zu ihrer Thür beglei⸗ tete, da hatte ſie ſchweigend den Roſenkranz aus ihrem Haar genommen und ihn an Karl gegeben. Er mußte ſie wohl verſtanden haben, denn von die⸗