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hatte ſie erkannnt, daß das Verbrechen niemals ein Geheimniß bleibt, ſondern, daß es mit ſeiner eigenen Zunge ſich ausruft in die Welt und ſich ſelber ver⸗ räth durch ſeiner Thaten Bewußtſein. So hatte ſie ihn verloren und war eine Entehrte, eine Verbreche⸗ rin geworden. Er hatte ſie von ſich geſtoßen, er hatte ihr geflucht. Dieſe bittern, zornigen Worte, welche er zu ihr geſprochen, ſie tönten immer noch
vor ihren Ohren, ſie waren keinen Augenblick ver⸗ ſtummt, ſie hatte ſie immer vernommen! Den Schrei
ihres neugeborenen Kindes hatten ſie übertönt und
den Schrei ihres eigenen Gewiſſens, und wenn ſie in dieſen langen, entſetzensvollen zwei Jahren ihrer
ſchmachvollen Gefangenſchaft auf ihrem Lager ſeß und ſich das Haar zerraufte und die Hände wund rieb und kein Schlaf in ihre Augen kam, ſo geſchah es, weil ſie immer und immer dieſe fürchterlichen Worte, dieſe Verwünſchungen der zornigen und verzweifeln⸗ den Liebe hörte, welche ihr Geliebter zu ihr ge⸗ ſprochen, als er von ihr, der Schmachbelaſteten, ſich auf ewig losgeſagt. Sie hatte ihm deshalb nicht zürnen, ſie hatte ſeine Härte und ſeine Grauſamkeit nicht tadeln kön⸗ nen, denn dies Alles war gerecht, war ſeiner Mann⸗ heit würdig geweſen, ſie hatte ihn vielleicht niemals


