wie in einer Glorie zu ſtrahlen, und lichtumfloſſen, wie ein Cherub, ſtand er vor ihrer Seele und vor ihrem Auge. Es war ihre Jugend und ihr verlo⸗ renes Glück, ihre Unſchuld und ihre heiligen Erinne⸗ rnngen, welche von ihm zu ihr herüber glänzten, ſie ſah in ihm den Engel ihrer Vergangenheit, ehe dieſe ſchuldbelaſtet und gramvoll geworden.
Sie hatte dieſen Mann geliebt, damals als ihr Herz noch rein und ihre Seele noch ohne Schuld geweſen. Sie war ſeine Braut geweſen und er hatte ſie grenzenlos geliebt. Aber dann waren die fin⸗ ſtern Verſuchungen gekommen, die dämoniſchen Ein⸗ flüſterungen und Bitten ihrer Mutter, das glühende Verlangen, ihrem Geliebten eine Mitgift und ein
minder zerquältes Arbeiterleben zu verſchaffen, und
dann die lockende, bezaubernde Stimme Bernthals, ſeine ſüßen, verlockenden Worte, welche ihre Unſchuld ertödtet und ihr Blut in Wallung gebracht hatten, dann die beſchönigenden Gedanken, mit denen ſie ihr eigenes Gewiſſen betäubt, und ſich überredet hatte, daß ihr Geliebter nichts erfahren, und daß ſie ihm treu bleiben würde mit ihrem ganzen Herzen, wenn ſie auch aus Liebe zu ihm ihn anſcheinend verrathe, und ſich von ihm wende.— So war ſie gefallen, ſo war die Sünde über ſie gekommen, und zu ſpät


