Anſchauen, die Straße war öde und menſchenleer, die armen freudloſen Bewohner dieſer elenden Häu⸗ ſer hatten lange ſchon auf ihrem harten Lager ein wenig Erholung von ſchwerer Arbeit, ein wenig Vergeſſenheit ihres freudloſen Lebens geſucht.
Niemand ſtörte Marie, Niemand konnte ihr
Geſicht beobachten, wie es nach und nach ſeinen harten, gehäſſigen Ausdruck verlor, Niemand ihre Augen ſehen, welche allmählig ihren ſtechenden Glanz verloren und ſich zu einem milderen Feuer ſänftigten. Ihre Wangen waren wo möglich noch bleicher ge⸗ worden, all ihr Blut war zum Herzen gedrungen und machte es fieberhaft pochen und hämmern.
Ihr ſtarrer Blick war unverwandt auf dies trübe, matt beleuchtete Fenſter geheftet. Sie ſah hinein in dieſes kleine ärmliche Zimmer, ſie ſah das niedrige, ſchmale Bett, welches im Hintergrunde des⸗ ſelben ſtand, und den verwelkten Roſenkranz, der an der Wand über dem Bette hing. Sie ſah den alten halbzerfallenen Schrank, auf deſſen Geſims einige Gläſer und Taſſen ſich gar ſchmuck und ſtattlich ausnahmen. Aber auf alles dies achtete Marie nur wenig, denn ihre Augen waren auf dieſen Man⸗ gerichtet, welcher neben der in der Mitte des kleien Zimmers aufgeſtellten Hobelbank ſtand und ffrig


