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Zuſammenſein nelginander auf dem Divan ſaßen, vor dem der Tiſch mit dem Frühſtück und der dampfen⸗ den Theemaſchine ſtand. O ich meine das Glück eines ſolchen Beiſammenſeins und ungetheilten Be⸗ ſitzes iſt eine Wonne, die mit nichts andrem auf
der Welt vergleichbar iſt.
Ich meinestheils glaube nicht an dieſe Wonne! ſagte Nordheim mit faſt verächtlichem Tone, und ich haſſe dieſes ganze Inſtitut, Ehe genannt. Selten iſt es ein Glück, ſtets eine bedrückende Feſſel. Eine„ Zwangsanſtalt, in der die Liebe zu einer dienſtpflichtigen Sklavin herabſinkt und die Freiheit der Treue ein⸗ geengt wird in die traurige Form der Pflicht! So lange wir noch der ſchwarzen Prieſterröcke und der Zeugen bedürfen, ſo lange noch etwas Anders bindet als die Liebe und das eigne Wollen, iſt die Ehe etwas Unnatürliches und Feindſeliges!
Mir ſcheint ſie etwas ſehr Heiliges und Erhabe⸗
nes! ſeufzte Aurelia, und ich meine, erſt in der Ehe ₰ kann der Menſch den Höhepunkt ſeiner Entwickelung und Beſtimmung etreichen!
Wie? fragte Nordheim faſt verwundert, das ſagſt Du, die Du ſelber das Unglück einer Ehe er⸗ fahren? Einer Ehe, die noch jetzt über Dir ruht wie ein Bann, der Dich wegſchleuderte aus Heimath und Voterland. Einer Ehe, die Dich noch 8


