Teil eines Werkes 
1. Band (1841)
Entstehung
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die Liebe und die Treue längſt flohen ſind, einengt und Dich feſſelt mit Ketten, die ich an jeder Frei⸗ heit Deines Thuns hindern?

Wie meinſt Du das, wie ſoll ich Dich verſtehen? fragte Aurelia befremdet.

Biſt Du nicht durch feierlichen Eid gebunden, ſo lange Du lebſt, unauflöslich gebunden, weil Nie⸗ mand ahnen darf, daß Du lebſt? Ich glaube nicht an die Heiligkeit der Ehe, aber an die des geſproche⸗ nen Wortes und eines Menſchen Ja! ſollte ihm ſtets ein unverbrüchliches Gelübde ſein. So biſt auch Du durch ein vorſchnell geſprochenes Wort gebunden und eingezwängt, und ſelbſt, wenn ich es wollte wür⸗ deſt Du anſtehen, ich weiß es, ſolche ehelich Ver⸗ bindung mit mir zu ſchließen.

Ach, ſeufzte Aurelia in Thränen ausbrechend,

doch wäre es die höchſte Beglückung meines Lebens,

Dein, vor aller Welt Dein Weib zu ſein!

Biſt Du denn nicht ſchon Mein? ſagte er, fürchteſt Du, daß die Welt es jetzt wiſſe, daß Du es biſt? O, Aurelia, lerne doch Dich losreißen von Vorurtheilen und Meinungen, und trotzen den thörichten Satzungen dieſer Welt! Zu etwas Höherem biſt Du berufen, als zu ſeufzen und zu begehren, wie ein gewöhnliches Weib, ſei denn, was Du be⸗ rufen biſt zu ſein. Erſt wer ſich frei macht von