Teil eines Werkes 
1. Band (1841)
Entstehung
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und ſolchem Entzücken, wie ich's empfinde, flüſterte

Aurelia, und will ich keine Heilige ſein, und

Du, Du ſollſt nicht anbeten was Dein iſt, Dein

Geſchöpf, mein Meiſter! Bin ich Dein Meiſter, ſagte er, und ſpielte

tändelnd in ihrem aufgelösten Haar, bin ich Dein

WMeiſter, ſüßes Kind, ſo biſt Du wahrlich eine unge⸗

lehrige Schülerin! denn Du willſt nicht lernen das Einzige, was Dein Meiſter wohl begriffen hat.

Das iſt? fragte ſie lächelnd zu ihm aufſchauend.

Die Weisheit der Vergänglichkeit!

Hinweg mit dieſer traurigen Lehre, rief ſie faſt unwillig, ſie drängt ſich wie ein Geſpenſt in meine Freude, und weht zerſtörend wie ein Grabeshauch über alle Blüthen meiner Liebe hin. Nein, ich glaube nicht an dieſes leichte Vergehen, und Liebe und Ge⸗ nuß verſchwände mir mit dieſem Glauben!

Thörichtes, holdes Kind, ſagte er, Du irrſt, wie Kinder thun. Mit dieſer Weisheit erhält Genuß und Liebe erſt die wahre Würze und reizt zu ſtets erneuertem Genießen! Dann erſt beſitzt man recht, wenn man weiß, daß man in jeder Stunde verlieren kann, und daß nur, was wir gehabt an Glück uns angehört. Entzückend iſt es dann, jeder Stunde, ſo

viel man kann, an Wonne zu rauben und ſich zu erkämpfen an Luſt.