Teil eines Werkes 
1. Band (1841)
Entstehung
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Es iſt nur die Wonne, d mich beben macht! flüſterte ſie, ihr Geſicht an ſeinem Buſen verbergend.

Er küßte ihr dunkles Haar und zog mit ſpie⸗

leriſchem Uebermuth den goldenen Kamm alh den langen ſtarken Flechten, wand ſie um ſeinen Arm und ſagte mit vor innerer Bewegung gedämpfter

Stimme: mein weiblicher Simſon! welche Zauber⸗

ſtärke ruht in dieſem Haar, das ein Netz iſt in dem Du mich gefangen. Simſon, Du ſchöner Simſon, fürchte meine Rache und die grauſame Scheere, die Netz und Zauber zerſchneidet.

Bin ich Dein Simſon, ſagte ſie mit jenem glücklichen Lächeln und jener Verklärung das nur in ſeltenen Stunden höchſter Wonne ein menſchliches An⸗ geſicht umſtrahlt, bin ich Dein Simſon, ſo ſei nicht Delilah und verrathe mich nicht in meinem Vertrauen. Willſt Du aber, ſo blende mir die Augen, wie es dem Simſon geſchah, daß ich das Unglück nicht ſehe!

Nordheim lächelte und löste das geflochtene Haar, daß es aufgetrennt herabwallend wie ein Schleier Aureliens Geſtalt umfluthete. Nun nicht mehr Sim⸗ ſon, Du ſchönes Erdenkind, ſagte er, ſondern die heilige Cöleſtine, die zur Bekleidung nichts hatte, als ihr langes Haar. Ich will Dich anbeten, heilige Cöleſtine

Die Heiligen giſen nichts von ſolcher Gluth

L. Mühlbach. 1. 20