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uns Leidenſchaft oder Phlegma. Und für dieſe Mi⸗ ſchung eines Gottes ſollten wir verantwortlich ſein? Mit nichten! Der blühende Baum dort, die duftende Blume belehren mich eines beſſern. Wie ſie, ſind auch wir entſproſſen aus der Natur, ſind ein Theil der Urkraft und werden wachſen und gedeihen durch unſern eignen Willen und unſere eigene Kraft. In dieſem Glauben ruht die Selbſtſtändigkeit und Würde des Menſchen, ruht ſeine Freiheit und Verantwort⸗ lichkeit. In dieſem Glauben, daß er ſein eigener Herr iſt, ſein eigener Gott und zu Niemand zu beten hat, als zu ſich ſelber! Dann ſind unſte Leiden⸗ ſchaften unſer Eigen, ſind eine Offenbarung unſerer eignen Seele, und weil alſo, ſind ſie heilig und ehrfurchtgebietend, und weil alſo, werth von uns ſelber beherrſcht und bewältigt zu werden! Es werden aber noch viele Jahre vergehen, ehe dieſer Glaube der allgemeine wird, ehe man die Heiligkeit der Sinne, die Heiligkeit der Leidenſchaft anerkennt, und bis da⸗ hin werden wir in thörichtem Wahn zu ſchleppen haben an den unverſtandenen Sittenſprüchen und un⸗ begriffenen Geſetzen dieſer Welt, welche die Menſchen gemacht und ſie für eines Gottes Satzungen ausge⸗ geben haben! O wie iſt mir das Leben unter dieſen Formen faſt eine bedrückende Laſt, und wie verachte ich dieſe Formen und Einrichtungen, die man Sitte
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