Teil eines Werkes 
1. Band (1841)
Entstehung
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Freude geſtimmt, ich müßte denn mich ſelber aus⸗ nehmen!

Sie, Herr Nordheim? fragte die Wirthin un⸗ gläubig, und fuhr dann fort: Es iſt wahr, es geht ernſt und traurig zu unter meinen jetzigen Gäſten, und zuweilen wird mir ganz bange, wenn, während ſie Alle an der Mittagstafel ſitzen und eſſen, auch Kei⸗ ner eine Sylbe ſpricht, oder dem Andern ein freund⸗ liches Wort ſagt.

Vielleicht beruht aber in dieſem Schweigen unſere freundliche Geſinnung gegen einander, antwortete Nord⸗ heim, und bezeugen wir uns dadurch unſere gegen⸗ ſeitige Achtung, daß wir unſer Stummſein ehren. Ich verſichere Sie, Frau Wirthin, daß ſolch' äußerliches Verſtummen gewöhnlich innerlich ſeine ſehr beredten Widerſacher hat!

Mag ſein! ſagte die Wirthin. Aber dieſer liebe Macdeam jammert mich immer, wenn er ſo ſtumm ſitzt, während mich oft das Schweigen der Andern faſt ärgert. Er iſt ſo ſanft, ſo weich, und oft, wenn er im Garten auf ſeinem geliebten Inſtrumente, das er ſo ſorgſam behandelt, als wenn es ſeine Ge⸗ liebte ſelber wäre, ſein Lieblingsliedchen, wie jetzt eben, ſpielt, habe ich ihn überraſcht, wie große Thrä⸗ nen aus ſeinen Augen ſtürzten, und über ſeine blaſſen Wangen rollten! Der arme Herr!