355
Und Du willſt fort, ohne Deine Ellen, Deine Tochter,
an ihrem ſchönſten Feiertage geſehen zu haben, ohne ihr den Brautkranz in das Haar zu flechten, und ihr Deinen Segen zu ertheilen! O Nordheim, fuhr ſie eifrig und erglühend in innerer Rührung fort, komm, hilf mir meine theure Mutter erbitten, daß ſie bleibt nur bis morgen noch!
Nordheim murmelte einige Worte, die Ellen nicht verſtand; Aurelia ſah ihn an und lächelte ſchmerzvoll, dann ſagte ſie feſt: Nordheim weiß, meine theure Ellen, daß, was ich zu thun habe, keinen Auf⸗ ſchub leidet; daß ich ſogleich verreiſen muß! Laß uns denn jetzt ſcheiden!
Weinend umfaßte Ellen ihre geliebte Freundin und Mutter, und unter tauſend Küſſen und Zärtlich⸗ keiten flehte ſie ſie an, ihrer zu gedenken und bald zurückzukehren!
Aurelia fühlte Thränen in ihre Angen treten, fühlte ihre mühſam errungene Kraft ſchwinden, ſie fühlte, daß ſie ſcheiden müſſe. Sanft machte ſie ſich los aus Ellens Umarmung, flüſterte leiſe: Lebe wohl! Folge mir nicht! und wandte ſich ab zu gehen.
Nordheim geleitete ſie die lange Allee hinab, die zu dem Ausgang führte, wo Aureliens Wagen harrte. Schweigend und in tiefernſten Gedanken gingen ſie
neben einander her. Dann, nahe ſchon dem Aus⸗
8


