wie einen Schmuck und eine Krone, und wenn es auch nur eine Dornenkrone iſt, ſo will ich bedenken, daß ſelbſt der Heiland der Welt, im erhabenſten Momente ſeines Daſeins auch nur mit einer ſolchen geſchmückt ward, und daß gerade in den Stunden ſeiner Leiden die Menſchen fühlten, daß ein Gott unter ihnen war. Und ſo ſoll auch dies mein Lei⸗ den meinem Leben eine Bürgſchaft ſein, und ſoll be⸗ ſiegeln die Lehre, die ich gekommen bin zu verkünden, die Lehre, daß das Weib göttlich iſt und groß, daß ſie erhaben iſt in ihrer Liebe, und daß ſie kein Opfer ſcheut, wenn ſie wahrhaft liebt! Dies iſt meine Sen⸗ dung, ich will ſie erfüllen!
Glühend und zitternd, aber nicht vor Schwäche und Kummer, ſondern in der Begeiſterung und dem Feuer ihrer Seele, ſchrieb ſie mit liegender Eile einige Worte an Ellen und bat ſie ſogleich in ihrem Wa⸗ gen, den ſie ihr zu dieſem Zwecke ſandte, zu ihr zu kommen. Sie ſchellte, übergab dem Diener das Billet und befahl ihm ſo raſch als möglich einzuſpannen, und nach der Villa Landstown zu fahren, Fräulein Ellen zu holen. Dann als der Wagen vom Hofe rollte, nickte ſie befriedigt und flüſterte: es iſt ge⸗ ſchehn! Nun ging ſie mit feſten ſtolzen Schritten im Zimmer auf und ab, zuweilen am Fenſter ſtille ſtehend und die Straße, die Ellen kommen mußte,


