38
nahmloſe Weib, und ſetzte einen Augenblick ab im Trinken, um aus ihren lebloſen grauen Augen Elli⸗ nor anzuſehen. Die kleine Ellen! Ja's war'nen hübſches Kind!
War? fragte Ellinor. Lebt es nicht mehr? Sagt, o ſagt, wo iſt mein Kind? Trinkt nicht, nein, trinkt jetzt nicht, ſondern redet zu mir. Sagt mir, lebt mein Kind?
Ich denk's wird leben! ſagte das Weib und trank weiter.
Es lebt! es lebt! rief Ellinor freudig, ihr Auge leuchtete in einem Entzücken, wie ſie es ſeit Jahren nicht empfunden, und ihre ſchönen Züge verklärten ſich in ſeliger Frende. Mein Kind, es lebt! wieder⸗ holte ſie, mit vor Rührung erſtickter Stimme, und ihren Augen entſtürzten Thränen der heiligſten Wonne. Vergeſſen war das Gefahrvolle ihrer Lage, vergeſſen die Qual martervoller Tage, vergeſſen der ſchauer⸗ volle Ort, an dem ſie ſich befand und das grauen⸗ volle Weib neben ihr. Dies Weib war die Botin ihres Glückes, dieſer düſtere Ort ein ſtrahlender Tempel, ſie glaubte die Nähe Gottes zu empfinden, ſie fühlte ſich umweht von ſeinem Hauch; ſie faltete die Hände, und Herz und Blick gen Himmel erhoben,
kniete ſie nieder und dankte Gott mit zitternder Lippe
„ und wortloſem, gedankenreichen Gebet.— Und neben


