leuchtenden Blicken und höher gerötheten Wangen. Laß mich eine Dichterin werden, wie Sappho, und ich will mich freudig wie ſie vom elſen hinunterſtürzen in das Meer. Oh, es giebt noch Dichterinnen! Carlo hat es mir erzählt. Ganz Rom huldigt jetzt der großen Dichterin Corilla! Die möchte ich kennen, Paulo, nur um ſie anzubeten, um ſie zu ſehen in ihrer Pracht und ihrer Schönheit! Wenn Du es wünſcheſt, ſo ſollſt Du ſie ſehen, ſagte Paulo.
Ach, ich werde ſie ſehen! jauchzte Natalie, und wie, um ihrer innern Freude einen Ausweg zu geben, griff ſie in die Saiten ihrer Cither, und ließ in hellen Tönen eine Jubelmelodie erklingen. Dann begann ſie zu ſingen, anfangs mit einzelnen, abgebrochenen Ausrufungen und Worten, die immer mächtiger anſchwollen, immer be⸗ geiſterter und ſeliger wurden, und endlich zu einer Dithyrambe ſich ſteigerten. Es war ein Jubellied der Frende, ein Seufzer des Glückes und der Unſchuld, und ſie ſang von Gott und von den Sternen, von Lie⸗ besglück und Wieberſehen, von Blüthenduft und Win⸗ desfächeln, und in unbewußtem Ahnungsgefühl ſang ſie vom Leid der Liebe und von Entſagungsſchmerzen!
Die ganze Natur ſchien ihrem Wonneliede zu lau⸗ ſchen, kein Blättchen regte ſich, in leiſem Murmeln plãt⸗ ſcherten die Wellen des Baſſins, an welchem ſie ſaßen, au's Ufer hin, und nur zuweilen flötete eine Nachtigall
Wüttbach, Tartaroff 1I. 2


