Und eben, wie ſie an ihn dachte, an dieſen theuren Freund und Beſchützer, kam er die Allee herunter, ſah ſie am Ende dieſes Ganges ſeine hohe Geſtalt erſcheinen, erkannte ſie dieſes edle Angeſicht mit den ſtolzen Abler⸗ blicken und der kühn gewölbten Stirn.
Das junge Mädchen flog von ihrem Sitz empor und eilte ihm entgegen.
Wie ſchön, daß Du kommſt, Paulo, ſagte ſie lebhaft, indem ſie ihm ihre kleinen Hände entgegenſtreckte. Ich muß Dich etwas fragen, und gleich und ganz eilig, Paulo. Sage mir ſchnell, wie heißt die Sprache, welche wir früher mit einander redeten, und warum haben wir, ſeitdem wir hier in Rom ſind, aufgehört ſie zu ſprechen?
Paulo runzelte leicht die Stirn, aber als er in ihr ſchönes, von Neugierde und Erwartung belebtes Ange⸗ ſicht ſah, verſchwand dieſer Ausdruck des Mißmuths ſchnell wieder aus ſeinen Zügen, und ihr lächelnd mit dem Finger drohend, ſagte er: Immer wieder dieſelbe Frage, Natalie, und doch habe ich Dich ſo oft gebeten, die Vergangenheit zu vergeſſen, und nur in der Gegen⸗ wart zu leben, mein holdes, ſüßes Kind. Die Vergan⸗ genheit iſt hinter Dir hinabgeſunken in eine tiefe, un⸗ ausfüllbare Kluft, Du kannſt nicht mehr zu ihr hinüber, und wenn ſie nach Dir ihre Arme ausſtreckt, ſo wird es ſein, um Dich in den Abgrund mit hinunter zu zie⸗
hen! Vergiß ſie alſo, meine Natalie, und gieb Dich hin an die ſchöne, genußvolle Gegenwart, die immer


