Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Sie hatte geſungen, dieſes ſchöne Feenkind, aber jetzt war der Geſang verſtummt, ſie blickte hin auf zu den Wolken, mit träumeriſch ſinnendem Auge folgte ſie ihrem langſamen Zuge. Ein Lächeln umſchwebte ihre vollen, jugendfriſchen Lippen, ſolch ein Lächeln, wie es nur der Unſchuld eigen iſt und dem Glück.

Sie tränmte; es waren köſtliche, entzückende Bilder, welche vor ihrem innern Auge vorüberzogen, ſie träumte von einem fernen Lande, in dem ſie einſt geweſen, von einem fernen Hauſe, in dem ſie gelebt.

Es war ſchöner geweſen und prachtvoller noch, wie dieſes, welches ſie jetzt bewohnte, aber es hatte ihm dieſer blaue, duftige Himmel, es hatten ihm dieſe Blu⸗ men und dieſe Bäume, dieſes Muyrthengebüſch und dieſe Nachtigallenlieder gefehlt, und auf einige kurze Sommer⸗ tage waren dort lange, kalte Wintermonate gefolgt, mit ihrem kalten Leichentuche von Schnee, mit ihrer erſtar⸗ renden Eisdecke und den phantaſtiſchen Blüthen, welche der Froſt an die Fenſter gemalt.

Und dennoch, dennoch hatte es dort eine Sonne ge⸗

geben, welche heißer ihr Herz durchglühte, als die Sonne Italiens, und bei deren Gedenken noch jetzt eine flam⸗ mende Purpurröthe ihre Wangen bedeckte. Dieſe Sonne, ſie hatte ihr entgegengeleuchtet aus den zärtlichen Blicken einer Frau, welche ſie geliebt hatte als ihren Schutzgeiſt, als ihre Gottheit, als das Sternbild ihres ganzen Daſeins!