Teil eines Werkes 
2. Band (1860)
Entstehung
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Der ganze Frühling, die ganze Jugend der Natur leuchtete und ſtrahlte aus dieſem ſchönen Mädchenange⸗ ſicht, das ſo voll Anmuth und Reinheit, ſo voll Kinder⸗ unſchuld und Frieden war. Kein Sturm hatte noch dieſe lächelnden Züge durchweht, nicht das kleinſte Blätt⸗ chen dieſer Roſe war von unſanfter Hand berührt wor⸗ den. In üppiger Naturſchönheit, frei und friſch war ſie emporgeblüht, der Thau des Himmels, aber nicht der Thau der Thränen hatte ſie getränkt, und nur Zäh⸗ ren, wie ſie die Rührung, wie die Freude und das Elück ſie hervorruft, nur ſolche Zähren waren von die⸗ ſen ſtrahlenden, tiefdunklen Augen geweint worden.

Sie ſaß unter einem Myrthengebüſche, deſſen blühende Zweige ſich zu ihr hernieder neigten, als wollten ſie dieſe zarte, reine Stirn mit einer bräutlichen Krone umranken. Das Haupt zurückgelehnt in das Gezweige,

ruhte ſich in unnachahmlicher Grazie ihre halb hin⸗

geſtreckte reizende Geſtalt.

Ein weißes, durchſichtiges Gewand, um die feine Taille von einer goldenen Schnur gehalten, wallte um die zarte Geſtalt hernieder zu den kleinen vorwärts ge⸗

ſtreckten Füßchen, die mit goldgeſtickten Pantoffeln von

dunkel othem Leder bedeckt waren. Eine Purpurroſe ihrem knospenden Buſen mit brillantener Nadel Falten des Kleides befeſtigt, und bildete einen

lieblichen Contraſt zu dem zarten Roth ihrer Wangen. In ihren vollen üppigen Armen ruhte eine Cither.