Rebekka. II.
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ment, das ſie zerſtörte und ihr Daſein verwüſtete, und was uns bleibt von der duftenden Roſe iſt ein unſcheinbarer Stiel, unerfreulich und unerquick⸗ lich, aber wir ſehen an ihm die Roſe, die gewe⸗ ſen, die uns geduftet und erfreut, und wir werden bei dieſem entblätterten Zweig der Gegenwart nie⸗ mals die Vergangenheit mit ihrer Blüthe vergeſſen. Und gleicht nicht mein Leben dieſer Blume? Der Schmerz hat Blatt nach Blatt von der Blüthe meiner Seele geriſſen und das Leiden meine nerſte Lebenskraft, gleich dem Sturm, verwüſtet auch von mir wird nichts bleiben als eine un⸗ ſcheinbare blüthenleere Hülle, die einſt die Blume und die Seele trug, nichts als ein Grab. Wenn Ihr aber zu meinem Grabe kommt, um an mich zu denken, ſo werdet Ihr nicht deſſen Euch erin⸗ nern, was ich dann bin, Stanb und Aſche, ſon⸗ dern Ihr werdet an mich denken, als an die, die ich war und die ich Euch bleiben werde.“.
Wie ſie ſo ſprach, nahmen ihre Züge allgemach einen wahrhaft erhabenen Ausdruck an, und in ihrer bleichen durchſichtigen Schönheit hätte man ſie dem Engel des Todes vergleichen mögen, dem
Genius der Alten, der mit einem Kuſſe das Leben
von der Lippe nahm. Weinend umfing Margaretha die Heißgeliebte, während Robert, das Haupt zurückgelehnt, in die Wolken ſchaute und in ſeinem Herzen an den gro⸗ ßen Geiſt, der über den Wolken thront, die Frage


