Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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kniend an den Stufen der Altäre nach der Wei⸗ ſung Eurer Prieſter lallt. Nicht Gott, ſondern die Menſchen ſchufen den Cultus und die Religion, und ob Chriſt oder Heide, Jude oder Muhame⸗ daner, bete in der Natur, liebe Gott in der Na⸗ tur und Du biſt Gottes Kind. Wenn Du zwei⸗ felſt in der Pein Deines Herzens an dem Daſein des Herrn, wenn Du in der Beängſtigung Dei⸗ ner Seele Gott flehſt um ein Zeichen ſeines Da⸗ ſeins, ſo tritt hinaus in die große ſchweigende, ewig lächelnde Natur. In jedem Blatt, in jeder Blume, in dem Auf⸗ und Niedergang der Sonne, im Grollen des Donners, und in der reinen Bläue des Himmels webt die Gottheit, und jedes grü⸗ nende und knospende Blatt enthält eine Verhei⸗ ßung des Herrn und eine Verkündigung der Ewig⸗ keit!

Maria hatte dem Begeiſterten mit ſeligem Lau⸗ ſchen zugehört, ihre Wange war bleicher und blei⸗ cher geworden vor innerer Bewegung, ihre Lippen zitterten und ihr Buſen hob ſich ſtürmiſch in der Gewalt der Rührung.

Und iſt nicht, ſagte Margaretha, Rebekka ſanft an ſich drückend,das jüdiſche Volk das älteſte chriſtliche Volk der Erde? das Volk Got⸗ tes? War nicht Abraham ein guter Chriſt? That er nicht nach dem Willen Gottes, den er durch Chriſtum, den Heiland, aufs neue der Welt verkündete, liebte er nicht ſeine Feinde, ſeg⸗