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„und mit welchem Namen ſollen wir Dich be⸗ grüßen als unſer Kind?“
Maria ſah einen Moment ſinnend vor ſich nieder, dann erhob ſie langſam die großen Augen, und Margaretha mit einem forſchenden und zu⸗
gleich unendlich liebevollen Blicke anſehend, flüſterte ſie:„nennt mich Rebekka!“
Margaretha drückte ſanft lächelnd einen Kuß auf Maria's Stirn:„Tochter Rebelka, ſei uns willkommen.“
Und lächelnd unter Thränen fragte Maria: „und Ihr entſetzt Euch nicht vor dem jüdiſchen Namen? Ihr wollt die Jüdin Eure Tochter nennen?“
Robert wiegte ſanft das Haupt.„Seit zwan⸗ zig Jahren,“ ſagte er,„haben wir nichts geſehen als unſern Wald und unſere Berge, nichts gehört, als das Rauſchen der Bäume, als das Murmeln des Bachs und den Geſang der Vögel. Aber Gott war in dem Walde und in den Bergen, Gottes Stimme ertönte uns in den rauſchenden Zweigen, im Quellengerieſel und im Vögelgezwit⸗ ſcher. Die Natur iſt der große Tempel des Herrn, und der Wurm, der zu Deinen Füßen kriecht, lobt mächtiger die Güte und Allmacht des Herrn, als alle Lobgeſänge von Menſchenzungen, und die Freude und Bewunderung, die Du empfindeſt beim
Anſchauen der Natur iſt ein heiligeres Gebet, als alle diejenigen, die Ihr mit zerknirſchtem Herzen,


