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Kind wäre! Gott hat ſie an uns gewieſen, laß uns nach ſeinem Willen thun!“
Und Margarethe nickte unter Thränen ihrem Manne Beifall zu, und neigte ſich leiſe über das Bett der Kranken, um einen Kuß auf ihre glühende Stirne zu preſſen.
Maria aber lächelte im Fieber, und ſagte zärt⸗ lich:„küſſeſt Du mich, meine Mutter? O wie wird mir ſo wohl in Deiner Umarmung!“—
Es war ein Feſttag in der ſtillen Förſterwoh⸗ nung des thüringer Waldes, denn Maria fühlte ſich ſtark genug zum erſten Male ihr Zimmer zu verlaſſen, die Treppe hinabzugehen ins Freie.
Margaretha hatte mit ſtrahlenden Augen und jugendlicher Freude das Haus nach ihrer Weiſe feſtlich geſchmückt, die Treppe war mit Blumen geſtreut, und zu beiden Seiten ſtanden blühende Topfgewächſe, alle Zimmer dufteten von Blumen, die in Vaſen vertheilt auf Tiſchen und Fenſtern prangten, die Fenſter waren geöffnet, damit die Sonne und die Sommerluft fröhlich hinein ziehe, und die ganze Natur Marien entgegenſtrahle in ihrem Sonnenſchmucke.
Dann rief Margaretha ihren Robert, der, wie
ſie, ungewöhnlich freudig bewegt, ſeit vielen Jah⸗
ren zum erſten Mal unterlaſſen, ſeinen gewöhn⸗ lichen Morgenſpaziergang in den Wald zu machen, und leicht und froh traten ſie beide in Mariens Zimmer. Dieſe kam ihnen im weißen Gewande


