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verzweiflungsvoller Pein von Gott nichts erflehete, als daß er die Erinnerung und die Vergangenheit aus ihrem Gedächtniſſe löſchen möchte, daß er ſie trinken laſſe von dem Lethe des Vergeſſens. Gleich den Danaiden des Alterthums ſchöpfte ſie Tag
für Tag mit odenloſen Gefäße und der Brunnen ihrep ward niemals leer.
Aber it Läftige Seele erlag nicht ſo wechſelvolle Beſtürmungen, inmitten der Nacht ihres Innern Keuchtete ihr ein ſtrahlender, glän⸗ zender Stern und zu dieſem richtete ſie ihre vom Weinen gerötheten Angen und ihre wund gerun⸗ genen Hände. Dieſer Stern aber und dieſes Licht war ihr die Religion, die Gewißheit eines höch⸗ ſten, lenkenden und regierenden Weſens, in deſſen Händen das Geſchick jedes Einzelnen ruhe und ohne deſſen Willen ihr nichts geſchehen könne.
In gläubigem kindlichen Gebete vertraute ſie Gott ihre Seele, und kein Zweifel war in ihr, ob auch Gott ihr Flehen und Seufzen hören würde, ob er auch bei dem Einzelnen ſei, wie bei dem All. Sie war zu jener Kindſchaft Gottes gelangt, die ergeben und fromm all ihr Denken und Wün⸗ ſchen an die Vaterbruſt legt und weiß, daß der Vater ſein Kind nicht umſonſt bitten läßt. Je mehr aber dieſes Wiſſen in ihr mächtiger ward, um ſo williger und klageloſer ergab ſie ſich in iht Geſchick und ſuchte ſich mit dieſem zu verſöhne
Oft verlangend, doch mindeſtens für ſich ſel
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