Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

und ob wohl immer die Worte ſeiner Lippen der Ausdruck ſeiner Seele ſeien. Dann wieder ſchalt ſie ſich ſelbſt ob ſolches Mißtrauens und klagte im Gebete vor Gott ſich ſelber an.

Das Feſthalten an dem einmal Gelobten er⸗

ſchien ihr als eine nur kleine Buße ihres ſündigen Zweifelns und Mißtrauens und feſt entſchloſſen ihr gegebenes Wort unverbrüchlich zu erfüllen, hielt ſie es in ihrem ſtolzen und reinen Herzen für ihre erſte und heiligſte Pflicht, gegen Niemand es zu verrathen, daß ſie dieſe Hingabe ihrer ſelbſt als ein Opfer betrachte, daß ihr Herz dabei ver⸗ blute und ihre Seele ermatte.

Je mehr ſie in ſchlafloſen, kummervollen Näch⸗ ten ſich zermarterte, je lauter in ihr die Stimme des Mißtrauens gegen Böſenberg ſprach, um ſo hingebender und williger, um ſo freundlicher und ergebener zeigte ſie ſich ihm, wenn er Tags dann zu ihr kam, und konnte ſie in ihrem reuigen Her⸗

zen ſich nie genug thun, um das ihm unbekannte

Vergehen gegen ſeine Liebe zu ſühnen.

Und nicht dies allein war es, was den Schmerz

ihrer Seele immer aufs neue anfachte und ihre Wange bleichte, ihre Augen trübte. O es gab Stunden, in denen mit nur zu deutlichen und hellen Farben die Bilder der Vergangenheit vor ihr inneres Auge traten, wo ſie die, ach nur zu geliebte Stimme Robert's zu hören, ſein ſchönes Angeſicht zu ſehen glaubte, Stunden, wo ſie in