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ſie tief und bang.
Der Grund war, Rebekka hatte in ihrem Her⸗ zen geleſen und ſie wußte nun, daß ſie ihren Ver⸗ lobten nicht liebe; ſie ſchauderte, wenn ſie daran dachte, mit ihm, dem Ungeliebten, ein ganzes Le⸗ ben lang vereint, gleich einem Galeerenſtlaven an der Kette des Duſeins mit ihm zuſammengeſchmie⸗ det zu ſein und keinen Ort des Alleinſeins, keine Einſamkeit und Stille mehr zu haben, wo ſie ihren Seufzern und ihren Thränen ungehört und unge⸗ ſehen ſich hingeben konnte.
Wenn ſie dann zermartert und geängſtigt ver⸗ ſtummte vor Qual und keine Thränen mehr finden konnte und keine Klagen, wenn ſie ruhig bengwen und ſtill, dann gab es in ihrem Herzen eine andre Pein, die wieder ſie auftrieb zu neuem Schmerz.
Sie beſchuldigte ihre Seele der Undankbarkeit, rief ſich in athemloſer Angſt alle die durch Böſen⸗ berg empfangenen Wohlthaten zurück, nannte ihn ihren Freund und Vater, und verlangte von ihrem widerſpenſtigen Herzen als Opfer ihres Dankes, ſich ihm in Liebe zu ergeben.
Sie rief ſich alle ſeine edlen Eigenſchaften, ſeine Frömmigkeit und Heiligkeit, ſein tiefes Wiſſen und ſein erhabenes Denken vor die Seele und in⸗ mitten ſolcher Vorſtellungen durchzuckte ſie ſelber unerklärliches Mißtrauen und fragte ſie ſelbſt, ob er wohl wixklich auch immer wah
verzweiflungsvoll im Zimmer umher und ſeufzte


