Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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die Entſchiedenheit ihrer Nichte, und unfähig noch etwas zu ändern oder ungeſchehen zu machen, überließ ſie Rebekka ihrem eigenen Willen und ihrer eigenen Beſtimmung.

Aber mit ſtiller Trauer hafteten ihre Blicke oft an dem bleichem, ſchweigſamen Mädchen, an der jede Spur des früheren glühenden, lebensvollen Weſens verſchwunden war, die jetzt zu ganzen Stunden mit gefaltenen Händen und geſenktem Haupte unbeweglich daſaß und kaum ein Lächeln ſich abringen konnte als Erwiederung für die liebe⸗ volle Aufmerkſamkeit der Baronin.

Was Rebekka aber in ſolchen ſtillen, ſchweig⸗ ſamen Stunden in ihrem Innerſten träumte und ſprach, das vertraute ſie Niemand. Ihre Lippe war verſtummt für jede Klage, und Niemand konnte ahnen, daß in dem Herzen dieſes ſtillen, ruhigen Weſens, dieſer aufmerkſamen, demüthigen und gehorſamen Braut, die ſich ein Studium daraus gemacht zu haben ſchien, alle Wünſche ihres Verlobten zu errathen, um alſogleich ſie zu er⸗

füllen, etwas Anderes noch verborgen ſei, als Ruhe und Friede.

Rebekka aber empfand beides nicht; oft lag ſie in der Stille und dem Schweigen der Nacht, das Geſicht überſtrömt von Zähren, mit gerungenen änden auf ihren Knien und flehte zu Gott um Muth zu leben und Ruhe für ihre Seele.

Dann wieder flog ſie empor, irrte ihr Blick