ihren Gedanken und Träumen Worte zu geben und ihre Bruſt durch Ausſprechen zu erleichtern, ſchrieb ſie, was ſie empfunden und gedacht, in ihr Tagebuch, und es war für ſie eine wehmüthige Freude, in dieſem Buche zu blättern, das die ver⸗ ſchiedenen Stimmungen der letzt verfloſſenen Wo⸗ chen in treuem Spiegel ihr vorhielt.
Es waren Verſe oder nur hingeworfene Ge⸗ danken und Sprüche, ſo wie der Moment und die augenblickliche Eingebung es ihr gerade ent⸗ ſtehen ließ. Für ein Lied, das ihr beſonders ge⸗ fiel und das ſie ſich oft wiederholte, hatte ſie ſo⸗ gar eine Melodie gefunden, und durch die Stille der Nacht ertönte zum Klang der Harfe der Ge⸗ ſang dieſes Liedes von ihren bebenden Lippen. Das Lied aber lautete:
Ein Stern iſt mir entſchwunden, Ein ſchöner heller Stern, Kann nimmer mehr geſunden, Läg' tief im Grabe gern. Denn in dem Grabesdunkel Schließt ja das Aug' ſich zu, Sucht nicht mehr Sterngefunkel. Im Grabe wohnt die Ruh'.
Und wie ich alſo klagte,
Und wie ich alſo ſang,
Es in der Seele tagte,
Hört ich der Worte Klang: Wenn Nacht in deinem Herzen, Der Liebe Stern verſank,


