Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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Böſenberg ſchloß ſie mit einer Leidenſchaft in ſeine Arme, die wenig paßte zu ſeinem ſonſt ſo ernſten, frommen Weſen. Das ſchöne Weib an ſeinen Buſen gedrückt, vergaß er, daß ſolche ir⸗ diſche Zärtlichkeit dem Heiligen nicht zieme, und mit aller Glut und aller Zärtlichkeit eines Kindes dieſer Welt bedeckte er Hals und Angeſicht Re⸗ bekka's mit Küſſen. Hatte er doch Wochen lang ſeine Leidenſchaft zügeln müſſen, hatte mit klopfen⸗ dem Herzen die Hände falten und gen Himmel ſchauen müſſen, während es ihn verlangte, mit ſeinen Händen ſie, das ſchöne Mädchen, zu um⸗ faſſen und ſeine Augen an ihren Reizen zu weiden!

Immer ſtürmiſcher und heftiger wurden ſeine Liebkoſungen, und Rebekka zitterte in ihr ſelber unerklärlichem Bangen in ſeinen Armen.

Da öffnete ſich die Thür, und die Baronin trat ein. Erſtarrt und erbleichend blickte ſie auf die ſeltſame Scene, rathlos, was ſie ſagen und thun ſollte.

Aber ſchon hatte ſich Böſenberg von ſeinem augenblicklichen Schrecken erholt, ſchon lag wieder der ſonſtige, heilige Ausdruck in ſeinen Zügen; er ſtand auf, ging mit ſeinem geräuſchloſen ſchleichenden Tritt der Baronin entgegen und ſagte feierlich:Geſegnet ſei Ihr Eintritt in dieſer Stunde, in einer Stunde, wo der Herr ſeinem unwürdigſten Diener ein großes Heil hat wider⸗ fahren laſſen. Wiſſen Sie, meine Verehrte, daß