Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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auf ihren Mund, aber es war nicht der ruhige Kuß eines Vaters oder Freundes, ſondern er brannte auf ihren Lippen, wie der Kuß eines* glühenden Liebenden. Rebelka erbebte, ſie wußte nicht warum, und eine glühende Röthe überzog ihr Geſicht.

Sie billigen alſo meinen Entſchluß? fragte ſie leiſe wieder.

Böſenberg hatte ſchnell wieder ſein ernſtes, feierliches Weſen angenommen, und ſagte ruhig: ich billige den Beweggrund dieſes Entſchluſſes, nicht aber dieſen ſelbſt. Wohl haben Sie recht, Maria, des Armen iſt das Himmelreich, ſo ſagt der Herr, aber er meinte, als er ſo ſprach, den geiſtig Armen, den, der in ſeinem Herzen hungert und darbt, und flehend wie ein Bettler zu Gott kommt und um Speiſe bittet für ſeine hungrige Seele, und dieſes Bettlers in ſeiner geiſtigen Ar⸗ muth iſt das Himmelreich, weil in ihm die Er⸗ kenntniß ſeiner Mangelhaftigkeit und Rathloſigkeit iſt, und ſomit auch die Beſſerung. Solche Ar⸗ muth aber verträgt ſich mit dem Reichthum, der, wohl angewandt, eine Segnung iſt, eine Auffor⸗ derung, die der Herr ergehen läßt zur Wohlthätig⸗ keit und zum Erbarmen gegen die Hülfsbedürf⸗ tigen. Reichthum iſt ein Segen des Herrn. Darum Tochter in Chriſto, behalte, was Dir der Herr verliehen, und verwalte das Pfund, das Dir der Herr anvertrauet hat!