Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

reichen, die Ausführung deſſelben aber verſchob ſie bis nach ihrer Taufe.

Der Tag derſelben war indeß herbeigekommen, Rebekka hatte faſt die ganze Nacht im Gebet und Flehen zu Gott verbracht, und als endlich die Sonne aufging und ihr den heiligſten Tag ihres Lebens verkündete, empfand ſie eine Wonne und ein Entzücken, wie niemcls zuvor.

Im weißen Gewande, das ſchöne lockige Haar einfach mit einer Myrthenkrone verziert, umwallt vom weißen Schleier, trat Rebekka in das Ge⸗ mach ihrer Tante, um ſie zur Kirche abzuholen.

Weinend drückte die Baronin ſie an ihr Herz und die Hände auf Rebekka's Haupt legend, ſagte ſie feierlich:So ſegne Gott alle Deine Tage, wie ich Dich ſegne. Glück und Heil mit Dir,

Tochter meines Bruders! Wenn es Seligen ver⸗

gönnt iſt, herniederzuſehen zu den Menſchen, ſo wird Deines Vaters Geiſt Dich umſchweben in dieſer feierlichen Stunde, und Dich ſegnen mit ſeiner Liebe!

Rebekka war leiſe auf ihre Knie geſunken, und wie ſie jetzt die Hände faltete und die großen Augen aufwärts ſchlug, mochte man ſie einem Boten des Himmels vergleichen, im Begriff ſich aufzuſchwingen in ſeine Heimath, den Himmel.

Leiſe bewegten ſich ihre Lippen im Gebet, dann ſtand ſie auf und ſagte ruhig;ſo laß uns gehen!