Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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grub, um ſo tiefer ward auch ihr Verlangen und ihr Sehnen, ganz nach dem Willen und Befehl des Herrn zu leben.

Hatte aber Chriſtus nicht geſprochen:wer⸗ fet alle Eure Habe hinter Euch, und fol⸗ get mir nach, und wiederum:den Armen aber iſt das Himmelreich, und an einer an⸗ dern Stelle:die Armen ſind Erben des Reichs, welches er verheißen hat denen, die ihn lieb haben.

Und Rebekka in völliger Hingabe an ihren neuen Glauben, in jener frommen Schwärmerei, der Wort und Buchſtabe zum Geſetz wird, em⸗ pfand es nun als eine Sünde, daß ſie inmitten des Reichthums und umgeben von Luxus und Be⸗ quemlichkeiten lebe.

Sie beneidete den Bettler, der ihr die magere abgezehrte Haud, um eine Gabe flehend, entgegen⸗ ſtreckte, und neigte ehrfurchtsvoll ihr Haupt vor dem zerlumpten Bettlerweibe, in ihrem Herzen flü⸗ ſternd:der Armen iſt das Himmelreich! Ja, ich fühle es, ſagte ſie zu ſich ſelber, nur der Arme kann glücklich und ſelig ſein; abgezogen von allen irdiſchen Bedürfniſſen und Begierden kann ſeine Seele und ſein Herz ſich ungetheilt Gott ergeben! O wäre ich arm und elend!

Allgemach geſtaltete ihr Sehnen und Wünſchen ſich in ihr zu einem Entſchluſſe, das Ziel zu er⸗