Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
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Iſt nicht jede Blume ein Wunder, jeder Menſch das größte Wunder der Schöpfung? fragte ſie ſich ſelbſt.Nur weil wir es täglich ſehen, wird es uns zum Alltäglichen und Gewöhn⸗ lichen! Warum will ich alſo nicht an andre Wun⸗ der glauben? Die Sonne geht auf und unter, wir wiſſen nicht von wannen ſie kommt und wo⸗ hin ſie geht, ſo leuchtete Chriſtus über die Erde, und ſein Erſcheinen und Kommen konnte und durfte nicht ſein, wie das eines Staubgebornen!

Auch hatte Böſenberg ihr geſagt, nur wer unbedingt alle die Wunder der heiligen Schrift glaube, nur der ſei ein wahrer Chriſt und zur Seligkeit befähiget.

Und Rebekka's ganzes Flehen und Geiſtesſtreben war ja, eine Chriſtin zu ſein; ſo drängte ſie alle Zweifel der Vernunft, alle Fragen des Verſtandes zurück, und kniete in frommer Einfalt nieder vor ihrer Religion, als vor dem verſchleierten Bilde, deſſen Schleier zu lüften Tod und Verderben über ſie bringen konnte. Mit dem heiligen Myſterium des Abendmahls, das ſelbſt ihrem begeiſterten Verſtändniſſe unklar hlieb, hatte aber Böſenberg ſie auf den Tag verwieſen, wo ſie ſelbſt an den heiligen Tiſch treten würde, und mit frommer Un⸗ geduld erwartete Rebekka dieſe Stunde.

Sie war nun in ihrer Seele eine Chriſtin,

nd je mehr ſie die heilige Lehre in ſich aufnahm,

tiefer ſie die Worte ihres Erlöfers in ihre Seele 1