Teil eines Werkes 
9. Theil, Rebekka : 2. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Bande ſie an Himmel und Erde zugleich, und ward ihr die chriſtliche Religion die Verklärung und Verkörperung der göttlichen Liebe, die zum Heil der Menſchheit vom Himmel herabgeſtiegen, zum Troſt und zur Veredlung des Menſchenge⸗ ſchlechts.

Nun erſt war ihr die Natur belebt und ver⸗ ſtändlich, erkannte ſie den Geiſt der Liebe, der ſelbſt aus dem lebloſen Geſchöpfe zu ihr ſprach und ihr die Güte Gottes pries. Gleich den Blindgebornen, denen, wenn ihnen das Geſicht gegeben wird, alles ein Wunder iſt, ſchienen ihr ihre Augen jetzt erſt geöffnet, glaubte ſie jetzt erſt das Leben und die Natur zu begreifen und zu verſtehen.

Sie hatte alle ihre Gedanken, alle ihre Em⸗ pfindungen auf Einen Punkt zuſammengedrängt, und gleich den Verzückungen und dem Hellſehen der Somnambule ſchaute ſie mit ihrem Herzen ein ihr ſonſt verſchloſſenes Leben, und verſtand ſie, was bis dahin ihr unverſtändlich geweſen.

Wie ſchwülſtig und myſtiſch Böſenberg's Vor⸗ trag immer ſein mochte, Rebekka verſtand und durchdrang mit dem Feuerblick der Begeiſterung ſeine Worte, und wenn dennoch zuweilen in ihrem Verſtande ein Zweifel gegen ſo manche heilige

Wunder ſich erheben wollte, drängte ſie in from⸗

mer Scheu ihn zurück, und ſagte:ſelig ind⸗ die da e und doch glauben!