Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
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höher klopfen machen. Auch iſt ſie reich, ſetzte er ſinnend hinzu, und warf ſich in ſeinen Lehnſtuhl, wie wäre es, wenn ich ſie mir zu erwerben ſuchte? Sie betheuert, murmelte er, und legte ſinnend den dürren Zeigefinger an die Naſe,ſie ſei von keiner Liebe zu ihrem Entſchluſſe bewogen, und wenn ich auch den Lippenworten eben nicht glaube, ſo lag doch in dem Ausdruck ihres Auges etwas, welches mich vermuthen läßt, daß ſie die Wahrheit ſprach. Sie ſcheint wirklich e zu ſein, und woher ſollte dies fromme Kind, von der ich noch überdies glauben möchte, daß ſie unſchuldig iſt, woher ſollte dies Schäfchen den Muth nehmen, ihrem Seelenhirten, dem frommen und heiligen Prieſter des Herrn, etwas zu verweigern? Auch iſt ſie ſchön und ich habe oftmals gefunden, daß

das ſchöne Weib eines Prieſters dieſem ſelber

mehr Verehrer und treue Diener ſchafft, als ſeine eigne Heiligkeit. Alſo, ſagte er faſt laut,es iſt entſchieden, Rebekka, die ſchöne, und vor Allem die reiche Rebekka, ſoll mein Weib werden! Nun aber Vorſicht, ermahnte er ſich dann ſelber, ich merke es an ihrem Weſen, daß ich hier nicht geradezu gehen, ſie nicht ahnen laſſen darf, daß ich anderer, als heiliger Gefühle und Em⸗ pfindungen fähig bin. Nur, wenn ſie mich über Aue auf der Welt verehrt und anbetet, wird ſie es nicht wagen mir irgend etwas abzuſchlagen, und wird 6 willig mein Weib werden! S