Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

155

mir denn bei, Ihr heiligen Blicke und hochtönen⸗ den frommen Phraſen, die Ihr ſchon öfter mein Glück gemacht habt, ſagte er lachend, es iſt ge⸗ wißlich wahr, wer ſich ſelbſt erniedrigt, ſoll erhöht werden! Aber jetzt wollen wir auch das Ir⸗ diſche nicht vergeſſen, und uns würdig vorbereiten zum Unterricht der ſchönen glühenden Orientalin!

So ſprechend öffnete er einen Schrank, nahm aus demſelben einige Teller mit gebratenem Fleiſch, Kuchen und Backwerk und eine Flaſche Wein her⸗ vor, ſetzte es auf den Tiſch, machte es ſich ſo⸗ dann bequem auf ſeinem weichen Polſterſtuhle und überließ ſich in behaglicher Gemächlichkeit den Freu⸗ den des Genuſſes.

Das gute Schäfchen glaubt in frommer Ein⸗ falt, ich ſitze hier und bete um Kraft ſie zu er⸗ leuchten, ſagte er mit höhniſchem Lachen, ſetzte das gefüllte Weinglas an die Lippen und lehrte es auf einen Zug.

Wahrlich, ſagte er dann, hoch aufathmend, das erleuchtet auch, und kräftiget, mehr vielleicht, als Gebet!

Als ſeine Mahlzeit vollendet, ſtand er auf, ordnete vor dem Spiegel ſein geſcheiteltes Haar, nahm Bibel und Katechismus unter den Arm und verließ ſein Zimmer, um ſich zu ſeiner neuen Schülerin zu begeben.

Ende des erſten Bandes.