Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
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Sie haben mich rufen laſſen, ſagte Böſen⸗ berg mit leiſer, gedämpfter Stimme, niedergeſchla⸗ genen Angen und tiefer Verneigung.

Verzeihen Sie, daß wir Sie bemüheten, antwortete die Baronin,aber meine Nichte hat ausdrücklich verlangt, gerade Sie zu ſehen und Sie zu bitten, ſie in den Lehren der heiligen, chriſtlichen Religion zu unterweiſen.

Böſenberg's Blick erhob ſich und ſtreifte flüch⸗ tig, ehe er ſich gen Himmel lenkte, Rebekka, dann ſagte er mit demüthigem Händefalten:der Herr hat zu gebieten über ſeinen Knecht. Wenn er mich, ſeinen unwürdigſten Diener, mit ſeiner Gnade geſegnet hat, und meine Seele erleuchtet, daß ich das Wort Gottes rein und unverfälſcht lehren und verkünden kann, ſo gehört ihm allein der Preis. Gottes iſt die Ehre!

Er ſchwieg und neigte das Haupt, die Ba⸗ ronin wandte ſich ab, Rebekka's Blicke aber haf⸗ teten voll Ehrfurcht und Bewunderung an dem heiligen Angeſichte.

Und wollen Sie, ſagte ſie demüthig und ſchüchtern,meine flehende Bitte nicht zurückweiſen, wollen Sie des Glücks, eine Cyriſin zu werden, mich würdig machen?

Der Herr hat zu gebieten über ſeinen Knecht, er ruft mich und ich gehorche, antwortete Böſen⸗ berg feierlich.Es ſei alſo, wie Sie ſagen!