langen Gebrauch halb zerriſſenen Geſangbuche mit den abgegriſſenen Blättern die Worte ihres Ge⸗ ſanges las, bezeichnete ihr gutwillig und freundlich mit dem dürren Finger in ihrem Buche die Stelle des Liedes, die man ſveben ſang. Rebekka beugte ſich zu ihr nieder, mit einer heiligen Freude heftete ſie zum erſten Male ihre Augen auf dies Buch voll chriſtlicher Geſänge, und ließ ſie neben den zitternden, ſchrillenden Tönen des alten Müt⸗ terleins ihre volle, reine Stimme erklingen mit denſelben Worten, wie dieſe, und vereint in der⸗ ſelben Melodie.
Aber bald hinderten ſie die Worte, die ja
nicht ihr eigen; es war ihr Bedürfniß, ihr eigenes Empfinden in Klängen auszuſtrömen, ihre eigenen, nicht fremde Gedanken zu Gott zu ſingen.„Gott iſt die Liebe“ ſang ſie,— ſie dachte nichts weiter, und wollte nichts weiter empfinden, und immer der Melodie folgend, ſang ſie nur immer wieder: Gott iſt die Liebe! Da ertönte vom Altare her das Glöcklein, der Geſang verſtummte, alles Volk warf ſich nie⸗ der zur Erde, und mit einem Blick aufwärts, lä⸗ chelnd unter Thränen kniete Rebekka.
„Vergieb uns unſre Schuld,“ murmelte es um ſie her, und Rebekka mit überſtrömenden Augen, mit dem Tone des tiefſten Flehens flüſterte leiſe nach:„vergieb mir meine Schuld.“
Als ſie dann den aufwärts gerichteten Blick
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