Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
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Volk. Vor dem Altar ſtand der Prieſter, Chor⸗ knaben knieten zur Seite, in blauen Dampfwolken durchzog der Weihrauch die Halle, durch deren hohe gemalte Fenſter die letzten Strahlen der ver⸗ glühenden Sonne ein magiſches Licht ergoſſen. Zetzt verſtummte der Geſang, ſtille war es einen Augenblick, Rebekka, in Furcht und Zagen, hielt den Athem an, um nur die hehre Stille auch nicht durch einen Seufzer zu unterbrechen, da plötzlich mit hinreißender Macht und Gewalt ſetz⸗ ten die Orgeltöne ein, und durchſtrömten mit ihren Flöten und Cherubsklängen das Haus.

Rebekka's ganze Seele erzitterte, eine heilige Rührung und Begeiſterung erfaßte ihr innerſtes Leben, es dunkelte vor ihren Augen, ſie fühlte ſich

wie der Erde enthoben, Alles um ſich her ver⸗

geſſend empfand und gewahrte ſie nur Gott, der außer ihr und in ihr war, und als nun den Or⸗ geltönen ſich die Menſchenſtimmen anſchloſſen, als vereint in derſelben Melodie, in Lenſelben Gedan⸗ ten und denſelben Worten die Lppen aller dieſer Menſchen ſich öffneten, um mit den Tönen ihrer Bruſt das Lob, die Güte und Liebe Gottes zu ſingen und zu erheben, da hielt es ſie nicht län⸗ ger, ihre Lippen erſchloſſen ſich, wie von ſelbſt, und mit begeiſtertem Klange einte ſich ihre Stimme den andern.

Das alte Mütterlein, das auf ihre Krücke ge⸗ ſtützt, neben ihr lehnte, und aus dem vom jahre⸗