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Die Muſik, die einen Angenblick verſtummt war, erklang jetzt aufs neue, und die Töne be⸗ gannen wiederum ihr Winken und Rufen an Re⸗ bekka's Herz, die noch immer mit gefaltenen Hän⸗ den aufwärts ſchaute. Es ward heller und ru⸗ higer in ihren Zügen, und ſich, wie von einem feſten Entſchluſſe gekräftiget, aufrichtend, ſagte ſie freudig:„ich gehe hinüber.“
So öffnete ſie die Pforte und trat hinaus, die Straße überſchritt ſie raſch, aber je näher ſie der offenen Kirchthür, nach der unverwandt ihre Blicke gerichtet waren, kam, um ſo ängſtlicher und beklommener ward ihr.
Ihre ganze Geſtalt erbebte, ihre Füße ver⸗ mochten ſie kaum zu tragen, und an der Pforte angelangt, mußte ſie athemlos einen Angenblick ſtille ſtehen, um ſich zu faſſen. Dann trat ſie ein, ihr Blick durchflog die hohe, weite Halle, ſie erbebte, es drohte ihr faſt die Bruſt zu zerſpren⸗ gen, dann wieder ward ihr ſo leicht und frei, ſie athmete lang und wie neu belebt, ihre Hände falteten ſich von ſelbſt, und ſie flüſterte:„hier wohnt Gott.“
Die leiſe gemurmelten Gebete der Armen, in deren Kreiſe ſie ſtand, die andächtigen Mienen al⸗ ler dieſer Greiſe, Bettler und Lahmen erſchütterten ihre Seele, und ſie ſeufzte:„o könnte ich beten wie ſie es thun!“
Fort und fort klang der Geſang, betete das


