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Langſam wandelte ſie die ſchattigen Laubgänge auf und ab, ohne eines beſtimmten Gefühls oder heſtimmter Gedanken ſich bewußt zu ſein, ſelbſt ohne Schmerz und Qual, in jenem dumpfen Hin⸗ brüten, das gleichſam als die Gewitterſchwüle des Herzens dem tobenden Orkane des bewußten Schmerzes oft vorangeht.
In dunklen ungewiſſen Umriſſen malte ſie ſich nun die Zukunft, und empfand es endlich als eine Art Troſt, den Gipfel des Unglücks erreicht zu haben.
Was kann mir nun noch Schmerzvolles kom⸗ men, ſagte ſie mit halb wehmüthigem Lächeln, der Becher der Leiden iſt erſchöpft, ich habe Alles ver⸗ loren, was der Menſch Glück nennt.
Run kam über ſie die Erinnerung, und in einer Art Hallucination durchlebte ſie noch einmal alle vergangenen Tage ihrer Kindheit, ihrer In⸗ gend, ſah ſie das Antlitz ihres Vaters, ach und das Antlitz eines Andern, den ſie geliebt.
„Nein, nein,“ ſagte ſie faſt laut,„nicht an ihn will ich denken. Weg, hinweg mit ihm!“
Sie ſank nieder auf eine Bank und das Haupt an den Stamm einer Eiche lehnend, die Hände im Schvoße gefalten, überließ ſie ſich immer mehr ihrer innern Pein.
Alles war ſtill um ſie her, der Wind, der durch die Bäume zog, weckte ſie nicht, die einzel⸗ nen welken Blätter, die hinab zur Erde fielen, ge⸗


