Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
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Sie war nun allein, und in grauſamem Hin⸗ brüten durchdachte ſie die jüngſte Vergangenheit, deren Schmerzen, das fühlte ſie mit einer Art Genugthuung, ihr nicht allein durch ihre verhäng⸗ nißvolle Geburt, ſondern durch menſchliche, fremde Schuld gekommen, und dieſe menſchlich verſchul⸗ deten Schmerzen zu bekämpfen forderte ihr Stolz. Auch weinte ſie nicht mehr, aber es war nur die Thränenloſigkeit der äußerſten Pein, nicht die Ruhe der Ueberlegung, die ihre Thränen verſiegen machte.O, ſeufzte ſie leiſe,ich werde ver⸗ geſſen, und kann noch glücklich ſein, und doch bebte ihre Stimme, und eine tiefe Verzweiflung ſprach aus ihrem Blick, als ſie jetzt, um ſich ſchauend, mit einer Art Schauder die tiefe Stille und Ein⸗ ſamkeit um ſich her bemerkte.

So einſam und verlaſſen wird hinfort mein Leben ſein, murmelte ſie,ich werde meine Tage hinſeufzen, und nagen an meiner Qual, bis der Tod mich ruft. Es haben's Viele vor mir ſo gethan, was iſt da weiter zu klagen? Das Leben iſt ein Thal der Leiden, und könnte doch ſo ſchön ſein, ſagte ſie faſt laut, als ihr Auge unwill⸗ kürlich hinaus ſchweifte in den Garten mit ſeinen grünenden Bäumen, ſeinen blühenden Blumen, über die ſo klar und rein ſich der Himmel wölbte.

Es drängte ſie hinaus ins Freie, die Luft im Zimmer ſchien ihr zu ſchwül und bevrückend, ſie trat hinaus in den Garten.