Teil eines Werkes 
8. Theil, Rebekka : 1. Band (1860)
Entstehung
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Fürchten Sie ſich nicht, mein Fräulein, weil ein Unberufener Sie ſtörte, verzeihen Sie mir, ich

ahnte nicht, hier ſo holde Geſellſchaft zu finden.

Er verbeugte ſich und wollte gehen.

Da raffte ich mich zuſammen, und bat ihn zu bleiben, ſich neben mir zu ſetzen, und dem Sonnenuntergang zuzuſehen. Er ſah mich faſt verwundert an, dann ſetzte er ſich zu mir und nahm meine Hand in die ſeine, und ſah mir tief, tief in die Augen. Ich konnte ſeine Blicke aber nicht ertragen, und verbarg mein Geſicht in meinen Händen. Holdes Kind! flüſterte er, o Abigail, unterbrach ſich Rebekka hier ſelbſt, ewig werde ich den ſüßen Ton, mit dem er dieſe Worte ſprach, hören, holdes Kind, wie ſind Sie ſchön und lieblich! Er zog leiſe meine Hände fort, und drückte einen Kuß auf meine Lippen. Da durchzuckte es mich, wie mit elektriſchem Schlage, ich fühlte mich plötzlich, wie eine Andere, Neu⸗ geborne, es brauſte vor meinen Ohren, alles Blut trat mir zum Herzen, es drehte ſich vor meinen Augen, und ich preßte mich an ihn, und rief: er iſt's, er iſt's!

Rebekka war aufgeſprungen, als ſie ſo ſprach, und ſtand mit verklärten Blicken vor der Alten. Eine dunkle Glut überzog ihre vorher ſo bleichen Wangen, ihr Buſen hob und ſenkte ſich in ſtür⸗ miſcher Bewegung.Ja, er war's, er, den ich ewig lieben werde, er war neben mir, und ich

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