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draußen halten, und ging allein in den großen Garten. Abigail, Du wirſt es mir nicht glauben, aber es iſt dennoch wahr, ich fühlte, als ich den Garten betrat, ein unerklärliches Ahnen und Ban⸗ gen, mir war, als würde mir Gott heute endlich den Erlöſer und Meſſias ſenden, um deſſen Er ſcheinen ich ihn ſo oft ſchon auf meinen Knien
gebeten, meh Herz, meine Seele flog ihm ent⸗ gegen, ihm, den ich nicht ſah, den mir aber mein ganzes Innere verkündete, und klopfenden Herzens wandte ich mich nach dem Hügel Eſther's. Die Sonne war im Untergehen, und beleuchtete den Hügel. Eine erhabene Stille herrſchte in der ganzen Natur, nur zuweilen flüſterte der Wind in den Frünen Bäumen, oder flog ein Vöglein vorüber. Mir ward das Herz ſo groß und ſo weit, und ich ſank nieder zur Erde, und flehte leiſe zu Gott, er möge mir den Meſſias, auf den unſer armes zertretenes Volk ſeit Jahrhunderten hofft, er möge ihn mir erſcheinen laſſen. Sieh, da nahten leiſe Schritte, und wie verklärt im Abendgold ſtand eine hohe, männliche Geſtalt vor mir, ſeine großen dunklen Augen wandte er nach mir hin, und meine Blicke waren wie gebannt an ſeine Geſtalt. Er iſt es, der Meſſias iſt es! jubelte Alles in mir, aber ich war keines Wortes mächtig, und ſtumm faltete ich die Hände.“
Fürchten Sie ſich! nicht,“ ſagte er und lächelte, „und, Abigail, es war das Lächeln eines Engels!—


