16 M Der ſtundhafte Prinz.
Der Knabe hatte ruhig und mit vollkommener Gelaſſenheit da geſeſſen, er hatte nicht einmal ein Wort, eine Frage an die beiden Prälaten gerichtet, welche neben dem geöffneten Wagenſchlag ſtanden und der Rückkehr des Kardinals entgegenharrten. Seine Augen waren unverwandt auf die Thür hingerichtet, durch welche der Kardinal mit ſeiner Schweſter in das Klo⸗ ſter eingetreten war; als jetzt in derſelben der Kardi⸗ nal wieder erſchien, aber allein, ohne ſeine Schweſter, flog ein ſchmerzliches Zucken über des Knaben Ange⸗ ſicht hin, und eine tödtliche Bläſſe bedeckte ſeine Wan⸗ gen. Aber er blieb ſtumm, wie zuvor, und ſich in die Ecke des Wagens zurücklehnend, ließ er es ſchweigend geſchehen, daß der Kardinal Kolonies ſich neben ihn ſetzte, daß er mit ihm wieder aus dem engen Kloſter⸗ hof hinaus und von dannen fuhr.
Endlich nach einer langen Pauſe unterbrach der Kardinal das unheimliche Schweigen, während ſie jetzt eben in eine der Hauptſtraßen Wiens einfuhren.
„Du fragſt mich nicht, mein Sohn, was aus deiner Schweſter geworden iſt?“ fragte er.


