Teil eines Werkes 
2. Band (1861)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

ſtill, und wie ſie ihr erglühendes Angeſicht dem Kardi⸗ nal zuwandte, erſtaunte dieſer über den Ausdruck von Entſchloſſenheit und Kühnheit in dem Antlitz des jun⸗ gen Mädchens.

Ich bitte den Herrn Kardinal gnädigſt bemerken zu wollen, daß ich kein Kind mehr bin, ſagte ſie mit ihrer ſilberhellen Mädchenſtimme, und mit einem ſtol⸗ zen Lächeln.Mein gnädiger Herr Vormund haben das ohne Zweifel überſehen, und daher kommt es, daß Eure Eminenz mich ganz und gar als kleine Unmün⸗ dige behandeln wollen. Mir will aber ſcheinen, daß es ſich für eine junge Dame von ſiebzehn Jahren, für eine junge Dame von meinem Range nicht wohl geziemt, allein, nur in männlicher Begleitung mich dem Kaiſer präſentiren zu laſſen. Eure Eminenz ſagten es ja ſelbſt, meine gnädigſte Frau Mutter iſt die natür⸗ liche Vormünderin ihrer Kinder, und wenn der uns beſtellte Vormund uns zum Kaiſer geleitet, ſo ſcheint es mir dem Anſtand gemäß, daß unſere liebe, natür⸗ liche Vormünderin uns dahin begleitet.

Der Kardinal runzelte die Stirn und ein zorniger Blitz ſeiner kleinen, düſtern Augen traf das Antlitz des jungen Mädchens.

Ich ſehe ſehr wohl, daß Sie kein Kind mehr ſind, ſondern ein junges Mädchen, rief er,und zwar ein

4