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Kuß auf ſeine Stirn, dann faltete ſie ihre Hände über ihrem Buſen, und das ſchöne, edle Antlitz zum Him⸗ mel emporhebend, betete ſie ein trauriges, ſtilles Ge⸗ bet ohne Klage und ohne Hoffnung, ein Gebet der Demuth und Unterwerfung.
„Nun komm, mein Sohn,“ ſagte ſie dann lang⸗ ſam und leiſe,„nun laß uns hinabgehen, und unſer Todesurtheil unterzeichnen!“
Als ſie mit Franz in ihre Gemächer zurückgekehrt war, ließ ſie das verabredete Zeichen geben, welches dem General Caraffa verkünden ſollte, daß ſie ein⸗ willige mit ihm zu unterhandeln und ſeine Kapitu⸗ lationsbedingungen einzugehen.
Es waren ſehr ehrenvolle, ſehr günſtige Bedin⸗ gungen, welche Caraffa geſtellt. Dieſe Bedingungen ſicherten der Fürſtin zuerſt ihre volle perſönliche Frei⸗ heit zu. Alsdann ſtellten ſie feſt: daß die Fürſtin all' ihr bewegliches Vermögen und Gut, welches ſich in der Feſtung befände, ungehindert fortſchaffen könne; daß ferner ſie und ihre Kinder alle ihre ihnen geſetz⸗ mäßig zuſtehenden Güter und Rechte ungeſtört genie⸗ ßen ſollten. Dagegen verpflichtete ſich Helena nur, dem königlichen Kommandanten alles Vermögen, das entweder ihrem Manne, dem Grafen Tököly, oder deſſen Anhängern gehöre, auszuliefern, und außerdem


