Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
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Seite ihres Sohnes auf dem höchſten Thurm der Feſtung, und ſchaute brennenden Auges, mit Todes⸗ angſt im Herzen, hinaus in die Ferne nach Hülfe und Rettung. Niemand kam ſie zu erlöſen, und was ſie da Außen erſchaute, waren nur die dichten Reihen der Belagerer, deren dunkle Maſſen wie ein ſchwarzer Trauergürtel die ganze Feſtung umſpannt hielten.

Am dritten Tage, als der Abend dämmerte, als ſie den ganzen Tag betend, weinend, Todeskummer im Herzen, mit ihrem Franz auf dem Söller geſtan⸗ den und vergebens Gott und Tököly um Rettung an⸗ gerufen hatte, am dritten Tage endlich war ihre Kraft, ihre Hoffnung zu Ende, fühlte ſie, daß ihr nichts mehr übrig blieb, als ſich dem harten Geſchick zu fügen, ſich zu unterwerfen.

Sie zog den Sohn in ihre Arme, und indem ſie einen glühenden Kuß auf ſeine Stirn drückte, fielen ii heißen Thränen wie Himmelsthau auf ſein Antlitz nieder.

Franz, ſagte ſie, feierlich den Arm gegen Him⸗ mel erhebend,Franz, vor Gott ſchwöre ich dir, daß ich Alles gethan habe, um dir dein Erbe zu erhalten! Aber Gott hat es nicht gewollt; nicht mich, ſondern das Schickſal allein klage an. Wir müſſen unſer Haupt beugen, wir müſſen uns unterwerfen. Aber ſchwöre