Teil eines Werkes 
1. Band (1861)
Entstehung
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Großwardein vorgedrungen ſei, und im Sturmſchritt heraneile zum Entſatz von Munkacs.

Alles kam jetzt darauf an, daß Helena nichts von dem Herannahen ihres Gemahls erfahre, daß Munkacs ſich übergeben habe, bevor Tököly zum Entſatze an⸗ gelangt ſei. Caraffa ließ daher alle Zugänge zu der Feſtung Tag und Nacht auf das Strengſte bewachen, damit keine Botſchaft von Tököly zu ſeiner Gemahlin gelange, und er ließ Helena die günſtigſten Friedens⸗ bedingungen ſtellen, um ſie zur Annahme bereit zu machen, und nicht durch längeres Unterhandeln und Zögern die Uebergabe ſo lange zu verziehen, bis Tö⸗ köly mit ſeinen Schaaren zum Entſatz herangezogen.

Helena hatte bis zum letzten Moment mit ſtand⸗ haftem Muth gekämpft und gerungen, ſie hatte immer noch nicht glauben wollen an die fürchterliche Noth⸗ wendigkeit, aber die bleichen Geſichter, das Jam⸗ mern und Stöhnen der Hungernden, die düſtern, ent⸗ muthigten Geſichter der Muthloſen mußten ſie endlich doch überzeugen, daß der Hunger und die Demorali⸗ ſation, dieſe beiden fürchterlichen, unwiderſtehlichen Feinde, in Munkaes eingezogen waren.

Vergebens hoffte ſie drei lange, entſetzliche Tage noch auf Hülfe von Außen, auf das Herannahen Tököly's, vergebens ſtand ſie dieſe drei Tage an der